Mainzer Bündnis Gleiche Chancen für alle Kinder, Kinderarmut bekämpfen

Jedes sechste Kind in Mainz lebt in Armut

Es genügt nicht zu klagen, es wird Zeit zu handeln!

Kinderarmut bedeutet materieller Mangel, schlechtere Bildungschancen, gefährdetere Gesundheit und eingeschränktere Entwicklungsmöglichkeiten.

Da sich die Mainzer Politik und Verwaltung nicht entschieden für gleiche Chancen einsetzt, haben wir im April 2023 ein Bündnis gegründet. 

Wir wollen eine starke Lobby für die Rechte armutsgefährdeter Kinder und Jugendlicher sein.

 

Kunst- und Ausstellungsprojekt "Reich an Ideen, arm an Chancen"

Kunstworkshops mit benachteiligten Kindern

 

Fünf Einrichtungen, Juli/August 2026

Die JugendKulturWerkstatt Pirmasens und die Jugendkunstschule unterstützen die Kinder, ihre Gefühle und Wünsche laut, schrill und lebensfroh darzustellen und zu gestalten: im Stadtteiltreffen Gonsenheim, in der Gemeinschaftsunterkunft Kisselberg, beim Street Jumper, im Blauen Elefanten und im Nachbarschaftstreff Laubenheim.

Ausstellung zu Kinderarmut 

 

Bahnhof, 28. Sep. bis 16. Okt 2026

Aus den Kunstwerken der Kinder und Jugendlichen soll eine Ausstellung entstehen, die an öffentlichen Orten in Mainz (u.a. im Bahnhof) gezeigt wird. Sie soll über Kinderarmut informieren und die kreativen Potentiale und Zukunftsvisionen armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher öffentlich sichtbar machen.  

Veranstaltung zur Armutsprävention

 

Kulturbäckerei, Oktober 2026

Eine Veranstaltung zu den kommunalen Handlungsmöglichkeiten gegen Kinder-armut bildet den Abschluss des Projekts: mit dem Armutsforscher Prof. Butterwegge, der Mainzer Sozialdezernentin Schmöller und dem Jugendamtsleiter aus Offenbach. Offenbach hat letztes Jahr einen Aktions-plan gegen Kinderarmut beschlossen.

Mit dem Projekt wollen wir Kinder und Jugendliche stärken, die in Armut aufwachsen. Ihre Potentiale und Zukunftsvisionen sollen in der Stadtöffentlichkeit sichtbar werden, um ihnen mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. 

Das Vorhaben wird von der GlücksSpirale gefördert, vom Bahnhofsmarketing und der Werbefirma Ströer unterstützt, die ihre Straßendisplays und Videostelen für die Kunstwerke der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stellt.

Kürzungen bei den Sozialausgaben

 

Haushaltsplan, 21. Januar 2025

Der Haushalt 2025 sieht gravierende Einsparungen im Sozialbereich vor (z.B. höhere Elternbeiträge für Mittagessen in Kitas und Schulen). Bestätigt wird die dezernatsübergreifende Präventions-strategie gegen Kinderarmut. Zu Kern-forderungen des Bündnisses äußert sich der Haushaltsplan nicht explizit.

Gemeinsamer Antrag im Mainzer Stadtrat 

 

29. November 2023

Der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, FDP, Die Linke und ÖDP fordert die Verwaltung auf, das Handlungskonzept gegen Kinderarmut von 2009 weiterzuent-wickeln und eine dezernatsübergreifende Strategie zur Prävention von Kinderarmut zu erarbeiten. Der Antrag wurde einstimmig beschlossen.

Prävention von Kinder- und Jugendarmut

 

Koalitionsvertrag, 25. November 2024

Im Koalitionsvertrag verpflichten sich Grüne, CDU und SPD zu einer dezernats-übergreifenden Strategie für mehr Chancen-gerechtigkeit. Berücksichtigt sind einige Forderungen des Bündnisses (z.B. Haus der Familienleistung, Kitas zu Familienzentren). Kosten für Mittagessen in Kitas sollen nur in Härtefällen erlassen werden.

15,8 %

aller Mainzer Kinder

sind von Armut betroffen

23,0 %

beträgt die Armutsquote bei Kindern auf dem Lerchenberg

55,7 %

armutsbetroffener Kinder länger als 4 Jahre mit Hartz4

Kinderarmut in Mainz hat sich verfestigt

Mindestens jedes sechste Kind in Mainz lebt in Armut. Die Quote ist in den letzten Jahren gestiegen, Armut hat sich verfestigt. Kinder und Jugendliche sind nicht nur überproportional betroffen, auch die Verweildauer in Bürgergeld hat stark zugenommen.

Kinderarmut ist in den Mainzer Stadtteilen sehr ungleich verteilt. Auf dem Lerchenberg wächst jedes vierte Kind in einer armen Familie auf, in Drais nur jedes siebzehnte. Schon die Startchancen von armutsbetroffenen Kindern sind schlechter. In Stadtteilen mit hohen Armutsquoten hat jedes zweite Kind bei der Einschulung keine ausreichenden Sprachkenntnisse, in wohlhabenderen ist es jedes sechste Kind.

"Ein Teufelskreis der Benachteiligung: Wo der Bedarf am größten ist, kann am wenigsten investiert werden." 


Heinz Müller, Geschäftsführer ISM

"Haushalte mit Kindern sind besonders von Armut betroffen. Wer zusätzliche Kürzungen betreibt, bekämpft keine Krisen, sondern verschärft sie."

 

Dr. Joachim Rock, Geschäftsführer Parität

"Keine strukturelle Bekämpfung,
nur ein bisschen Wohlfahrt
Es fehlt ein ressortübergreifender Aktionsplan wie in Hessen."


Klaus Peter Lohest, Kinderschutzbund-RLP

Je länger Kinder und Jugendliche in Armut leben, desto negativer sind die Folgen für ihre Entwicklung und Bildung. Die Corona-Krise hat ihre Situation verschärft, auch von aktuellen Preissteigerungen werden arme Familien besonders hart getroffen. 

 

Mit einem weiteren Anstieg der Armutszahlen ist zu rechnen. Die Bekämpfung von Kinderarmut muss gerade jetzt politische Priorität haben.

Kinderarmut beeinträchtigt Chancen für das ganze Leben

Aufwachsen in Armut begrenzt, beschämt und bestimmt das Leben von Kindern und Jugendlichen -- heute und mit Blick auf die Zukunft. Sie erleben Benachteiligung in allen Lebensbereichen, bei Bildung, Gesundheit und gesellschaftlicher Teilhabe.

"Das System der Kinderleistungen ist ein undurchsichtiger Dschungel und zementiert soziale Ungleichheit."

Prof. Sabine Andresen,

Kinderschutzbund

"Kinderarmut ist eine Schande für so ein reiches Land. Hilfen kommen nicht an, wo sie gebraucht werden."

Verena Bentele,

Sozialverband VdK

"Politik muss Kinderarmut priorisieren und eine Kindergrundsicherung umsetzen, die den Namen verdient."

Michaela Engelmeier,

Sozialverband SoVD

Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen schaffen

Die Ursachen und Folgen von Kinderarmut sind bekannt, sie werden seit Jahrzehnten diskutiert und wissenschaftlich be-arbeitet. Weitere Erkenntnisse sind nicht nötig, es gibt politischen Handlungsbedarf -- im Bund, in Rheinland-Pfalz und in Mainz.

Vor 15 Jahren war Mainz noch bundesweit federführend bei der Entwicklung von Handlungskonzepten gegen Kinderarmut. Inzwischen ist Kinderarmut politisch kein Thema mehr.

 

Um armutsgefährdeten Kindern eine Stimme zu geben, haben sich siebzehn Organisationen zusammengeschlossen und das Mainzer Bündnis Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen gegründet.

"Es ist erschreckend, dass jedes sechste Kind in Mainz von Armut betroffen ist. Das zu ändern, ist mir eine Herzensangelegenheit."

"Es bedarf einer dezernats-übergreifenden Strategie zur Prävention von Kinder- und Jugendarmut."

"In Zeiten sozialer Kürzungen bei den Schwächsten müssen wir Kurs halten und von Armut betroffene Kinder weiter unterstützen."

Sozialpolitische Offensive gefordert

Bekämpfung von Kinderarmut steht in vielen Papieren und wird bei Sonntagsreden gerne versprochen. Mit den verbesserten finanziellen Möglichkeiten der Stadt besteht spätestens jetzt die Möglichkeit, den schönen Worten auch Taten folgen zu lassen.

Wir fordern eine sozialpolitische Offensive mit dem Ziel, Kinderarmut endlich entschieden zu bekämpfen und gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen herzustellen. Vernachlässigungsstrukturen müssen so früh wie möglich durchbrochen werden.

 

Dies ist zuvörderst Aufgabe der Mainzer Politik und Stadtverwaltung. 

"Wir brauchen einen Pakt gegen Armut und für Chancengerechtigkeit."

 

 

Regine Schuster, Paritätischer Wohlfahrtsverband

"Kinderarmut ist in Mainz politisch kein Thema, Kinder haben keine starke Lobby."

 

 

Stephan Hesping, 
Stadtteiltreff Gonsenheim

"Wir müssen dafür sorgen, verbriefte Kinderrechte endlich zu verwirklichen."

 

 

Friedemann Schindler, 
terre des hommes-AG Mainz

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